Schicksalhafte Begegnung an der Kreuzung
Ein Mann, der in einer angesehenen Reichsstadt den Ruf eines ehrenhaften Kaufmanns genoss, schuldete einem anderen mehrere hundert Reichstaler. Dieser drängte ernsthaft auf die Rückzahlung der Schuld, doch der Mann war dazu nicht in der Lage. Er versprach zwar, die Schuld zu begleichen, doch kurze Zeit später wurde dem Gläubiger während der Nacht eine größere Geldsumme gestohlen. Niemand konnte feststellen, wie der Diebstahl geschehen war, obwohl der Gläubiger seine Hausangehörigen gründlich befragte.
Einige Tage später kam der Schuldner zum Haus des Gläubigers und erklärte, er sei nun bereit, seine Schuld zu begleichen. Der Gläubiger nahm dies erfreut an. Als der Schuldner jedoch das Geld hervorholte, erschrak der Gläubiger und fragte ihn streng, woher er es habe. Er behauptete, das Geld stamme von ihm selbst – es sei genau das Geld, das dem Gläubiger wenige Tage zuvor gestohlen worden war. Um dies eindeutig zu beweisen, wies er auf mehrere auffällige Merkmale an den Münzen hin.
Der Schuldner war über diesen Vorwurf erschrocken und wollte sich nicht mit bloßen Worten abweisen lassen. Er bestand darauf, dass das Geld ihm gehöre und nicht gestohlen worden sei. Außerdem erklärte er, er sei nicht verpflichtet, die Herkunft des Geldes offenzulegen. Der Gläubiger solle vielmehr zufrieden sein, dass er seine Schuld bezahlen wolle.
Der Streit eskalierte, und beide Männer erschienen vor den Behörden. Da der Gläubiger weiterhin mit Nachdruck darauf bestand, dass es sich um sein Geld handelte, wurde der Schuldner schließlich dazu verpflichtet, einen Eid zu leisten und die Wahrheit darüber zu offenbaren, wie und woher er das Geld erhalten hatte.
Daraufhin erzählte er Folgendes:
Als der Gläubiger ihn immer wieder zur Zahlung der Schuld gedrängt hatte und er dazu nicht in der Lage gewesen war, verließ er allein und voller Sorgen und Schwermut die Stadt. Unterwegs begegnete ihm ein schwarz gekleideter Mann, der einen angesehenen Eindruck machte. Der Schuldner konnte sich jedoch nicht daran erinnern, ihn jemals zuvor gesehen zu haben.
Der Mann fragte ihn, warum er so bedrückt sei, und bot ihm seine Hilfe an, wenn er ihm seine Sorgen anvertrauen würde. Nach einigem Zureden erzählte der Schuldner ihm seine ganze Lage. Daraufhin versprach der Mann, ihm zu helfen – allerdings unter der Bedingung, dass der Schuldner sich ihm zu Diensten verpflichtete und eine schriftliche Vereinbarung unterschrieb.
Der Schuldner erschrak. Er erkannte, was für eine Gestalt vor ihm stand. Zitternd musterte er den Mann von Kopf bis Fuß und rief: „Gott bewahre!“ Er lehnte das Angebot ab.
Doch der schamlose Teufel – denn zweifellos musste es der Teufel in schwarzer Gestalt gewesen sein – ließ nicht locker. Er fragte, ob der Schuldner wenigstens einen „schwarzen Brief“ unterschreiben wolle, in dem er sich verpflichtete, das Geld samt Zinsen an genau dem Ort, am vereinbarten Tag und zur festgelegten Stunde zurückzuzahlen. Falls er dies nicht tun sollte, würde er mit Leib und Seele verfallen. Die Vereinbarung sollte mit seinem eigenen Blut unterschrieben werden.
Dieses zweite Angebot machte noch deutlicher, wer der Mann wirklich war – der Teufel. Besonders der Wunsch nach einem „roten Brief“, also einem mit Blut unterzeichneten Vertrag, ließ daran keinen Zweifel. Dennoch stimmte der verzweifelte Schuldner dieser zweiten Bedingung zu.
![]() |
| Der Pakt mit dem Teufel |
Sie vereinbarten Ort und Zeit für den folgenden Tag. Danach kehrte der Schuldner in bester Stimmung nach Hause zurück.
Am nächsten Tag ging er zu dem vereinbarten Ort und fand die dunkle Gestalt bereits dort vor. Nachdem er den vereinbarten Brief übergeben hatte, erhielt er das Geld in gültigen Münzen. Er eilte nach Hause und war noch glücklicher als am Tag zuvor. Dort zählte er das Geld und stellte fest, dass alles seine Ordnung hatte.
Er ließ das Geld einige Tage unangetastet liegen, um sicherzugehen, dass es keine Täuschung und kein falsches Geld war. Doch es blieb genauso echt und wertvoll wie zuvor.
Dies war die eidesstattliche Erklärung des Schuldners darüber, wie er in den Besitz des Geldes gelangt war.
Nachdem der Gläubiger diese ungewöhnliche Geschichte gehört hatte, sagte er:
„So sei es denn. Behalte das Geld. Ich will es nicht mehr haben – selbst wenn es tatsächlich mein Geld ist –, denn nun ist es durch die Hände des Teufels gegangen.“
Er erließ dem Schuldner daraufhin die gesamte Schuld und sagte:
„Gott muss es so gewollt haben, dass das Geld mir genommen und dir gegeben wurde.“
Er wünschte dem Schuldner alles Gute und ließ ihn gehen.
Die besessene Magd von Lebus bei Frankfurt an der Oder
Im Jahre 1536, unter Kaiser Karl V., ereignete sich in dieser Stadt eine wundersame, seltsame, unerhörte und dennoch wahrhaftige Geschichte. Mitten im Sommer wurde ein Mädchen namens Gertraut, die Tochter eines armen Mannes namens Makke, eines Fischers aus Lebus, zunächst im Hause ihres Vaters geistig verwirrt. Daraufhin kam sie nach Frankfurt, wo sie von einem Bürger namens Georg Rulisch aufgenommen wurde, der sich ihrer annahm und sie teilweise wieder zu Kräften brachte.
Doch dann änderte sich ihr Zustand. Sie begann seltsame Worte zu sprechen, sodass die Leute glaubten, sie sei vom Feind der Wahrheit, dem Teufel, besessen. Wann immer das Mädchen den Rock, Ärmel, die Weste oder die Hände eines Menschen, einen Tisch, eine Bank, Holz, Stein, Erde, eine Wand oder irgendeinen anderen Gegenstand berührte, fand sie stets Geld und steckte es sofort in den Mund. Sie biss darauf, kaute es – sodass man das Knirschen zwischen ihren Zähnen hören konnte – und zeigte die Münzen sichtbar in ihrem Mund, bevor sie sie verschluckte; dabei wurde sie von der Anstrengung oft ganz blass.
Nachts, wenn sie im Bett lag, griff sie nach Geld aus der Matratze, den Bettlaken, dem Bettgestell und allem, was sie berührte, und stopfte es sich in den Mund, bis dieser so voll war, dass sie beinahe erstickte. Man musste Licht bringen und ihr zu Hilfe kommen, denn durch die Anstrengung war ihr Hals bereits wund und verletzt. Die Leute versuchten, ihre Hand festzuhalten, bevor sie sie zum Mund führen konnte, und mussten ihr den Mund gewaltsam öffnen, um das Geld wieder herauszuholen.
Einige ehrbare Männer und Frauen berichteten, dass sie ihnen auch unmittelbar Geld gegeben habe. Bisweilen füllte sie ihren Mund vollständig und kaute hörbar auf den Münzen. Es handelte sich um vielerlei Geldstücke: brandenburgische Groschen und Pfennige, Münzen aus Stettin, Meißen, Polen, Böhmen und sogar Preußen, darunter auch einige minderwertige rote Münzen. Einmal verschluckte sie einen Taler und wäre beinahe daran erstickt, als hätte sie sich selbst stranguliert. Diese Münze wurde von einigen Bürgern aufbewahrt und als echtes Zahlungsmittel erkannt.
Später begann sie auch, Nähnadeln zu kauen und zu verschlucken. Auf Fragen gab sie seltsame und wunderliche Antworten. Obwohl ein katholischer Priester aus Crossen versuchte, sie zu exorzieren, sie sogar in eine Wanne mit Weihwasser setzte und andere Beschwörungsrituale vollzog, erreichte er nichts. Sie verspottete all dies und machte sich über die Zeremonien lustig.
Zu jener Zeit lebte in Frankfurt ein evangelischer Prediger namens Andreas Ebertus. Er berichtete Dr. Luther von diesem wundersamen Ereignis und bat ihn inständig um schriftlichen Rat aus Gottes Wort. Luther antwortete daraufhin – sein Brief ist noch vorhanden – und erklärte, es handle sich um einen seltsamen und unerhörten Fall. Nachdem er seine Gedanken dazu dargelegt hatte, riet er schließlich, das Mädchen zu den Predigten zu bringen und für sie zu beten; mit der Zeit werde sie Besserung erfahren.
Als sie zu den Predigten gebracht wurde, tadelte der Teufel durch sie den Prediger häufig mit Lügen. Wenn der Prediger jedoch darum betete, dass er schweigen solle, gehorchte er. Schließlich wurde sie durch das gemeinsame christliche Gebet vom Teufel befreit, lebte noch viele Jahre bei guter geistiger Gesundheit und diente als Magd in Frankfurt. Sie erinnerte sich nicht mehr daran, was mit ihr geschehen war, geriet jedoch später in Unglück und verließ die Gegend.
Von einem Poltergeist
Ein unheimlicher Spuk in Schwickershausen im Jahre 1666
Zu Schwickershausen, sonst eine Filiale von Hellingen, trug es sich zu, dass in der Woche vor Ostern 1666 im Hause des Bauern Hans Kegel unter einem Bette mehrmals etwas klopfte. Als man nachsah, saß ein Kind darunter, das trug auf dem Haupte eine güldene Krone und nannte sich einen Engel, später aber die Seele einer verstorbenen Frauensperson.
Viele Leute liefen hinzu, und da verhieß es jedem, der ihm die Hand geben würde, einen Schatz von neunzigtausend Dukaten. Einige reichten die Hand hin; da fühlten sie, dass die des Kindes eiskalt war, und entsetzten sich.
Bald darauf fing es an, in diesem Hause schrecklich zu rumoren und zu poltern, sodass mehrere Bauern nach Hellingen zum Pfarrer gingen und ihm sagten, sie müssten aus dem Dorfe ziehen, wenn der Spuk nicht gebannt würde.
Der Pfarrer ging nach Schwickershausen und hielt den Bauern eine Predigt, darin er ihnen sagte, dieser Geist sei kein guter, sondern ein böser Engel, der sie mit seiner Teufelshand von Gott gelockt habe.
Der Spukgeist kehrte sich nicht daran, sondern fuhr etliche Wochen mit seinem Klopfen in Kegels Hause unter dem Bette fort. Einmal rief er sogar in des Pfarrers Gegenwart: „Gebt mir ein Kind, so will ich weichen!“ Doch antwortete ihm der Pfarrer gereizt, dass er ihm nichts geben werde.
Jemand brachte heimlich geweihte Kräuter und steckte sie unter das Bette; da wurde das Toben nur noch ärger. Die Geistlichen hielten mit Beten und Singen wechselseitig an, und der Hellinger Pfarrer blieb vierzehn Tage über Nacht in Schwickershausen.
Endlich entwich der Geist. Er mochte wohl des langen Betens satt und überdrüssig geworden sein.


0 Kommentare