Mythos oder Realität? Der Basilisk und seine möglichen tierischen Vorbilder


In seiner „Naturalis Historia“ beschreibt Plinius den Basilisken als eine Kreatur, die in Kyrene (dem heutigen Libyen) vorkommt und bis zu zwölf Zoll (25 cm) lang wird, mit einem weißen Fleck auf dem Kopf, der einer Krone ähnelt – daher auch sein Name.

Wenn er pfeift, fliehen alle anderen Schlangen. Er ähnelt keiner gewöhnlichen Schlange und ringelt seinen Körper nicht wie andere Reptilien. Stattdessen steht er aufrecht und bewegt sich aufrecht gehend. Der Basilisk hat stachelige rote Augen, sein Gefieder ist schwarz und gelb gemischt und er badet gerne.

Jede Pflanze, die er berührt, welkt und stirbt. Sein Gift ist so stark, dass es sogar durch einen Lanzenstich auf ein Pferd übertragen werden kann und beide tödlich trifft. Nur Wiesel gelten als natürliche Feinde des Basilisken. Deshalb wurden sie in Höhlen eingesetzt, in denen der Basilisk vermutet wurde.

Auch andere antike Autoren wie Gollinus, Nicander, Aelianus, Apuleius und Lucan stimmen weitgehend mit dieser Beschreibung überein. Aelianus ergänzt zudem, dass der Basilisk große Angst vor Hähnen hat und beim Krähen eines Hahns stirbt. Daher nahmen Reisende in Libyen oft Hähne als Schutz mit.

Der Basilisk im Mittelalter

Im Mittelalter übernahmen Naturforscher diese Beschreibungen, jedoch entstanden mit der Zeit viele neue Mythen. So soll ein Hahn im Alter von sieben oder neun Jahren ein Ei in einem dunklen Keller oder auf einem Misthaufen legen. Kröten würden dieses Ei ausbrüten, und daraus entstünde der Basilisk.

Nach dem Schlüpfen bewegt sich der Basilisk sofort zum Wasser, um sich zu reinigen. Dabei muss er vorsichtig sein, da sein eigenes Spiegelbild ihn töten kann. In einer anderen Version stammt er aus einem Krötenei, das von einem Hahn ausgebrütet wird.

Eine weitere Theorie führt den Ursprung auf den Ibis zurück, einen Vogel aus Ägypten, der Schlangen frisst. Der Basilisk soll angeblich dessen Eigenschaften übernommen haben.

Berichte über angebliche Basilisken

Im Mittelalter wurden angebliche Basilisken in Wunderkammern gezeigt, unter anderem in Wien (1212) und im Kloster Einsiedeln in der Schweiz. Diese sollen angeblich aus Hahneneiern entstanden sein.

Tatsächlich gibt es jedoch keine glaubwürdigen historischen Belege für reale Basilisken. Sie erscheinen ausschließlich in Legenden und literarischen Quellen wie dem „Alexanderroman“. Dort wird beschrieben, wie Alexander der Große ein Wesen besiegte, das mit seinem Blick töten konnte, indem er einen Spiegel benutzte.

Gibt es reale Vorbilder für den Basilisken?

Könnte der Basilisk auf realen Tieren basieren? Vielleicht wurden bestimmte Tiere falsch interpretiert und dadurch mythologisiert.

Möglicherweise basiert die Legende auf ausgestorbenen oder selten gesehenen Tieren, die Menschen und andere Tiere durch ihr Verhalten erschreckten. Vergleichbar mit heutigen Geschichten über Komodowarane oder Klapperschlangen.
Eine weitere mögliche Inspiration sind Kasuare.

Was sind Kasuare?

Kasuare haben einen Helm (Casque) auf dem Kopf, der wie eine Krone aussieht.

Kasuare sind große, flugunfähige Vögel, die in den tropischen Regenwäldern Neuguineas und im Norden Australiens heimisch sind. Sie besitzen eine leuchtend blaue Färbung im Gesicht und am Hals sowie einen helmartigen Knochenaufsatz auf dem Kopf, der wie eine Krone wirkt. Ihr Körper ist von glänzenden schwarzen Federn bedeckt. Sie ernähren sich hauptsächlich von Früchten, jagen aber auch kleine Tiere und Pilze. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Samen und sind somit ökologisch sehr bedeutend.

Ausgewachsene Exemplare können eine Höhe von bis zu 2 Metern (6,6 Fuß) und ein Gewicht von bis zu 72 kg (160 Pfund) erreichen. Damit gehören sie zu den zweitgrößten und dritt schwersten Vögeln der Welt.

Kasuare leben meist einzelgängerisch und verteidigen ihr Territorium sehr energisch. Sie scheuen sich nicht, auch Menschen anzugreifen, wenn sie sich bedroht fühlen. Sie gehören zu den wenigen vogelartigen Tieren, die tatsächlich gefährlich für Menschen sein können.
Obwohl Kasuare normalerweise scheu sind, können sie sehr aggressiv werden, besonders wenn sie sich bedroht fühlen oder eingeengt werden. Ihre kräftigen Beine mit scharfen Krallen können tödliche Tritte verursachen.

Kasuare wirken aufgrund ihrer schuppigen Beine und ihres „primitiven“ Aussehens fast eher wie große Reptilien als wie Vögel. Dieses Erscheinungsbild erinnert an den Basilisken, der oft ebenfalls als Mischwesen aus Vogel und Reptil dargestellt wird. Die Ähnlichkeit endet jedoch hier.

Kasuare mögen kein Wasser und baden normalerweise nicht darin. Stattdessen nutzen sie Regen und Tau zur Reinigung ihres Gefieders. Außerdem nehmen sie Staubbäder, um Parasiten zu entfernen und ihr Federkleid gesund zu halten.

Kasuare: Die symbolträchtigen Vögel Papua-Neuguineas und Australiens

Kasuare spielen eine wichtige Rolle in den kulturellen Traditionen der indigenen Bevölkerung Neuguineas. In vielen Gemeinschaften gelten sie als Totemtiere, die eng mit der spirituellen Identität von Clans oder Stämmen verbunden sind. Obwohl sie gelegentlich wegen ihres Fleisches und ihrer Federn gejagt werden, unterliegt ihre Jagd oft strengen Regeln und Tabus. In einigen Regionen ist das Jagen von Kasuaren nur zu bestimmten Zeiten oder für rituelle Zwecke erlaubt.

Kasuarefedern sind sehr wertvoll und werden häufig in zeremoniellen Kostümen verwendet, etwa in Kopfbedeckungen und Armbändern. Beim Mount-Hagen-Festival in Papua-Neuguinea tragen Menschen aufwendige Kostüme mit Kasuarefedern. Diese sollen dem Träger Stärke, Vitalität und den Status eines Kriegers verleihen.

Auch Knochen von Kasuaren werden gelegentlich zur Herstellung von Werkzeugen wie Dolchen verwendet. Diese besitzen sowohl praktischen als auch spirituellen Wert. Besonders in den Gemeinschaften am Sepik-Fluss in Papua-Neuguinea sind solche Objekte hoch angesehen.

Aus all diesen Informationen lässt sich schließen, dass der Kasuar ein möglicher Kandidat als Inspiration für die Basilisk-Legende sein könnte. Das einzige Problem ist jedoch, dass es in der Antike keinen direkten Kontakt zwischen Europa/Afrika und Australien/Neuguinea gab, sodass der Kasuar historisch kaum als Vorlage dienen kann.

Trotzdem sind Kasuare ebenso einzigartig und faszinierend wie der mythische Basilisk und verdienen unseren Schutz.

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