Im alten Japan wurden Grillen gezüchtet, weil man glaubte, dass ihr Zirpen Glück bringe.
Grillen als Haustiere in Japan
Während der Heian-Zeit (794–1185) war es unter Adligen üblich, Grillen auf den Feldern zu fangen und sie in Bambuskörben zu halten, um ihr beruhigendes Zirpen zu Hause zu genießen. Der „Genji Monogatari“ (Die Geschichte vom Prinzen Genji), ein Klassiker dieser Epoche, beschreibt Tätigkeiten wie das Fangen von Insekten, das Freilassen in Gärten und Feste, bei denen Gäste den Klängen lauschten.
Mit der Zeit wurde die Haltung von Grillen auch bei einfachen Bürgern populär. Bereits in der Mitte der Edo-Zeit (1603–1868) tauchten Grillenhändler (鈴虫売り) auf, die spezielle Verkaufsstände betrieben, an denen verschiedene Insektenarten erworben werden konnten.
Die Beliebtheit von Insekten während der Edo-Zeit wird durch Werke wie „Korin Gafu“ von Ogata Kōrin sowie „Edo Meisho Zue“ deutlich, in denen Orte erwähnt werden, an denen Grillen verkauft oder gehört werden konnten. Diese Werke geben einen tiefen Einblick in die Bedeutung von Insekten in der damaligen Gesellschaft.
Die Pflege von Grillen
Insektenliebhaber aus der Samurai-Klasse kauften Grillen meist im Spätsommer und Frühherbst auf speziellen Märkten in Städten wie Tokio und Osaka. Die Tiere wurden in kunstvollen Käfigen, sogenannten „Mushikago“, aus Bambus, Holz oder Metall gehalten.
Im Japan der Edo-Zeit konnten Interessierte detaillierte Ratgeber kaufen, die alle Aspekte der Grillenpflege behandelten – von der Fütterung bis zum Bau der Käfige.
Die Pflege umfasste eine Ernährung aus Getreide, Gemüse und gelegentlich kleinen Insekten. Ebenso wichtig waren passende Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die mit Wasserschalen oder feuchten Tüchern reguliert wurden.
Die Grillen in der japanischen Kultur
Das Zirpen der Grillen, im Japanischen als „kusa mushi“ bekannt, fasziniert die Menschen seit Langem. Verschiedene Arten erzeugen unterschiedliche Gesänge.
Im Tokugawa-Japan war das Lauschen dieser Klänge eine ruhige Abendbeschäftigung. Bei sogenannten „mushi-awase“ wurden Grillenklänge wie in einem Wettbewerb verglichen.
Der Klang der Grillen, im Japanischen „koorogi“, ist tief in Literatur, Poesie und Kunst verankert. Er steht für „mono no aware“ – die Schönheit der Vergänglichkeit.
„Der Gesang der Grille,
ein Trost für meine Einsamkeit,
in dieser Herbstnacht.“
ein Trost für meine Einsamkeit,
in dieser Herbstnacht.“
Grillenkämpfe, bei denen männliche Tiere gegeneinander antreten, waren früher eine beliebte Unterhaltung. Wetten auf den Ausgang waren üblich, obwohl diese Praxis in Japan weniger verbreitet war als in China.
Die Arten der als Haustiere gehaltenen Grillen
Während der Edo-Zeit wurden verschiedene Arten gehalten, jede mit eigenen Klangeigenschaften und Merkmalen.
Suzumushi: Glockengrille mit klarem, glockenartigem Klang, stark mit Herbst und „mono no aware“ verbunden.
Kurotsumatsuyu-mushi: Lauter Feldgrillen-Typ mit kräftigem Gesang.
Matsumushi: Sanfter Klang wie raschelnde Kiefernnadeln.
Kanemushi: Tiefer, resonanter Klang, besonders geschätzt.
Aktueller Status der Grillenhaltung in Japan
Nach dem Krieg ging diese Tradition jedoch stark zurück. In den 1980er-Jahren waren Insekten nur noch selten erhältlich, und der Kontakt vieler Menschen zur Natur nahm deutlich ab.
Heute ist die Haltung von Grillen selten geworden und wird oft als nostalgisch oder ungewöhnlich angesehen. In vielen Städten ist ihr Klang durch moderne Stadtgeräusche ersetzt worden, was diese alte Tradition zunehmend in Vergessenheit geraten lässt.
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